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Gutenberg: viel mehr als ein Editor

Das Web ist voller Beiträge zu WordPress, »Gutenberg« und dem »Gutenberg-Editor«, aber im Backend von WordPress findet der normale Nutzer nirgendwo einen Gutenberg.

Dieser Beitrag beschreibt, was es mit WordPress und Gutenberg auf sich hat und warum Gutenberg viel mehr ist als nur der neue Block-Editor.


Gutenberg verändert alles

Im Dezember 2016 kündigte WordPress-Mitbegründer Matt Mullenweg in seiner alljährlichen Rede State of the Word das »Projekt Gutenberg« an, das WordPress grundlegend erneuern soll. Ein Jahr später beschrieb er das Projekt wie folgt:

[Gutenberg is] basically an effort to simplify all the different things we have going on in WordPress: shortcodes, widgets, menus, and all the random stuff that people put in TinyMCE into one elegant concept, which is a block.

Matt Mullenweg, zitiert in »The State of the Gutenberg«

Gutenberg soll also Dinge wie Shortcodes, Widgets, Menüs und so weiter komplett durch Blöcke ersetzen.

Der Name des Projektes bezieht sich auf Johannes Gutenberg, der Mitte des 15. Jahrhunderts in Mainz den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden hat. Dessen Auswirkungen beschreibt Mullenberg mit drei Worten:

Gutenberg changed everything.

Matt Mullenweg – We called it Gutenberg for a reason

Und dieser Satz gilt auch für das Projekt Gutenberg mit seinen beweglichen Blöcken. Gutenberg verändert alles. Deshalb hat Mullenweg den Namen gewählt.

Aber was genau ist »Gutenberg«?

Das möchte ich in diesem Beitrag kurz zeigen. Los geht es auf Github.


Gutenberg ist ein Github-Projekt

Github.com ist eine Plattform, auf der Programmierer gemeinsam an einem Projekt arbeiten können, und auch die Entwicklung von Gutenberg ist ein Github-Projekt:

Hier wird Gutenberg programmiert. In aller Öffentlichkeit. Jeder kann Probleme als Issues melden, sich an deren Beseitigung beteiligen und sehen, wohin die Reise geht.

Das Projekt Gutenberg auf github.com

Gutenberg ist ein Plugin

Die Ergebnisse der Entwicklungsarbeit auf Github werden ungefähr alle zwei Wochen in einem Plugin mit dem passenden Namen Gutenberg festgehalten und veröffentlicht:

Das Gutenberg-Plugin ist also sozusagen ein Blick in die Zukunft und zeigt Entwicklungen, die so oder so ähnlich in WordPress übernommen werden, wenn sie sich im Praxistest des Plugins bewähren.

Nach der Aktivierung des Plugins erscheint im Backend unten links in der Menüleiste tatsächlich das Wort »Gutenberg«:

Das Plugin Gutenberg im Backend von WordPress
Das Plugin Gutenberg im Backend von WordPress

Das Projekt Gutenberg besteht aus 4 Phasen

Laut der WordPress Long Term Roadmap besteht das Projekt Gutenberg aus 4 Phasen:

  1. Easier Editing (Block-Editor): Inhalte auf Seiten und Beiträgen bestehen aus Blöcken, die im Block-Editor erstellt und bearbeitet werden, der in WordPress 5.0 den alten Editor ersetzt hat und weiterhin kontinuierlich verbessert wird.
  2. Customization (Full Site Editing): Blöcke können dann auch außerhalb des Inhaltsbereiches eingesetzt werden, z. B. in Header und Footer. Phase 2 kommt gerade erst richtig ins Rollen.

Phase 3 und 4 sind Zukunftsmusik:

  1. Collaboration: zusammen an einem Dokument arbeiten (wie bei Google Docs)
  2. Multilingual: mehrsprachige Websites mit WordPress erstellen (ohne Plugins)

Sie werden in diesem Beitrag nicht weiter erläutert.


Phase 1 ist der Block-Editor

Das erste konkrete Ergebnis von »Projekt Gutenberg« ist der Block-Editor, der seit WordPress 5.0 den alten Classic Editor ersetzt.

Der Block-Editor dient zum Einfügen und Bearbeiten von Blöcken im Inhaltsbereich von Beiträgen und Seiten und wird oft auch einfach als Gutenberg bezeichnet.

Das führt aber nicht nur bei Einsteigern zu zahlreichen Verwirrungen, und daher gebe ich die folgende Bitte des Block-Editors gerne weiter:

Don’t call me Gutenberg!
Ich bin nur der Block-Editor.

Gutenberg Phase 1 - der Block-Editor
Gutenberg Phase 1 – der Block-Editor

Phase 2 ist »Full Site Editing«

Der Inhaltsbereich von Seiten und Beiträgen besteht seit WordPress 5 also aus Blöcken. Außerhalb des Inhaltsbereiches ist man für Bereiche wie Header, Footer, Navigationen oder Widgets aber nach wie vor die auf die Vorgaben des Themes im Customizer angewiesen.

Für weitergehende Änderungen oder zum Beispiel zur Erstellung einer 404-Seite zum Abfangen von kaputten Links, muss man entweder ein Plugin finden oder in einem Child-Theme selbst den entsprechenden Code einfügen.

Um den aktuellen Stand von Phase 2 zu testen, benötigt man das Gutenberg-Plugin und ein blockbasiertes Theme wie TT1 Blocks, das eine spezielle, blockbasierte Version des Standardthemes Twenty Twenty-One ist.

Gutenberg Phase 2 - Full Site Editing
Gutenberg Phase 2 – Full Site Editing

Full Site Editing steht aber noch ziemlich am Anfang und ist momentan eher etwas für WordPress-Abenteurer als für normale Nutzer:

  1. Man braucht das Gutenberg-Plugin und ein blockbasiertes Theme wie TT1 Blocks.
  2. Im Backend erscheint dann das Menü Website-Editor, mit dem man die Templates eines Themes bearbeiten kann (wenn man das kann).
  3. Darunter im Menü Design verschwinden die Punkte Customizer, Menüs, Hintergrund und Widgets. Sie werden durch Templates und Template-Teile ersetzt.
  4. Der Customizer ist zwar noch vorhanden, enthält aber nur wenige Bereiche wie Website-Informationen, Menüs, Homepage-Einstellungen und Zusätzliches CSS.

Am Full Site Editing wird momentan fleißig gewerkelt, aber bis zur Serienreife wird es noch ein bisschen dauern. In der Gutenberg Times stand vor kurzem folgende Einschätzung:

It will take at least another year before it might be something you want to use for professional projects, and probably another 12 month to be comparable with any other site editor or page builder you have tried before.

Gutenberg Times zu Full Site Editing

Mindestens ein Jahr plus weitere 12 Monate, das wäre dann also im Frühjahr 2022 beziehungsweise 2023. Mindestens. Kann auch Sommer werden.


Fazit: Gutenberg ist die Zukunft von WordPress

Das Projekt Gutenberg ist also der Versuch, WordPress auf ein neues Fundament zu stellen und im Laufe der Jahre gewachsene Konzepte wie Shortcodes, Widgets, Menüs durch Blöcke zu ersetzen:

  • Gutenberg wird als Projekt auf Github.com entwickelt.
  • Alle paar Wochen werden Zwischenergebnisse im Gutenberg-Plugin veröffentlicht.
  • Was sich im Plugin bewährt, wird dann in einem WordPress-Release übernommen.

Das »Projekt Gutenberg« besteht aus insgesamt vier Phasen:

  • Phase 1 ist der Block-Editor für Beiträge und Seiten (Blöcke im Inhaltsbereich)
  • Phase 2 ist Full Site Editing (Blöcke überall)
  • Phase 3 und 4 zu Zusammenarbeit und Mehrsprachigkeit sind Zukunftsmusik.

Momentan sind wir in Phase 2, aber das darin entwickelte Full Site Editing ist noch lange nicht fertig. Gut‘ Berg braucht Weil. Das haben wir schon in Phase 1 beim Block-Editor gesehen.



Von Peter Müller

Sie kennen mich vielleicht von meinen Büchern und Videokursen. Meine Spezialität ist es, trockene und komplizierte Sachverhalte auf einfache und unterhaltsame Weise darzustellen. Website: pmueller.de

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