Das Projekt Gutenberg ist die grundlegende Erneuerung von WordPress auf der Basis von Blöcken. Dieser Beitrag zeigt, was es damit auf sich hat, und welche Rolle dabei Block-Editor, Block-Themes, Website-Editor und das Gutenberg-Plugin spielen.
Update: Aktualisierung des Textes im Juni 2026
Gutenberg verändert alles, auch bei WordPress
Im Dezember 2016 kündigte WordPress-Mitbegründer Matt Mullenweg in seiner alljährlichen Rede State of the Word einen neuen Editor an, und das Projekt bekam den Codenamen Gutenberg. Ein Jahr später beschrieb Mullenweg das Projekt wie folgt:
[Gutenberg is] basically an effort to simplify all the different things we have going on in WordPress … into one elegant concept, which is a block.
Matt Mullenweg, zitiert in »The State of the Gutenberg«
Gutenberg soll also im Laufe der Zeit entstandene Lösungen wie Shortcodes, Widgets, Menüs und so weiter durch ein elegantes Konzept namens Blöcke ersetzen.
Der Name des Projeks bezieht sich auf Johannes Gutenberg, der Mitte des 15. Jahrhunderts in Mainz den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand. Die Auswirkungen dieser Erfindung beschreibt Mullenweg mit drei Worten:
Gutenberg changed everything.
Matt Mullenweg – We called it Gutenberg for a reason
Gutenberg verändert alles, und das gilt nicht nur für den Buchdruck im Mittelalter, sondern auch für WordPress im 21. Jahrhundert.
Aber was genau bedeutet »Gutenberg« in Bezug auf WordPress? Los geht’s.
Gutenberg besteht aus 4 Phasen
Laut der WordPress Long Term Roadmap besteht das Gutenberg aus 4 Phasen:
- Easier Editing: Erstellung und Bearbeitung von Inhalten auf Seiten und Beiträgen.
- Customization: Anpassung der gesamten Website ohne Programmierung.
- Collaboration: Online zusammenarbeiten und Redesign von WP-Admin und Mediathek.
- Multilingual: Mehrsprachige Websites ohne zusätzliche Plugins. Kann noch dauern.
Die ersten drei Phasen haben bereits konkrete Ergebnisse:
- Phase 1 war der in WordPress 5.0 eingeführte Block-Editor für Inhalte.
- Phase 2 war der Website-Editor zur Anpassung von Block-Themes (seit WordPress 5.9)
- Phase 3 startete mit den Anmerkungen auf Block-Level in WordPress 6.9.
Phase 1 bis 3 werden im Folgenden genauer beschrieben. Phase 4 ist noch Zukunftsmusik.
Phase 1: der Editor für Inhalte
Das erste konkrete Ergebnis des Projekts Gutenberg war der Editor für Inhalte auf Seiten und Beiträgen, der seit WordPress 5.0 den alten Classic Editor ersetzt. Anfangs wurde er oft als Gutenberg-Editor bezeichnet, danach lange Zeit als Block-Editor, aber seit WordPress 7.0 heißt er ganz offiziell nur noch Editor oder WordPress-Editor.
Dieser Editor für Inhalte dient zum Einfügen und Bearbeiten von Blöcken im Inhaltsbereich auf Beiträgen und Seiten und er besteht aus der oberen Werkzeugleiste (1), einer linken Seitenleiste mit Block-Inserter oder Listenansicht (2), dem Inhaltsbereich für Titel und Blöcke (3) und einer rechten Seitenleiste für Einstellungen oder weiteren Optionen (4).

Der Editor für Inhalte hatte einen etwas holprigen Start, ist inzwischen aber zu einem nützlichen Werkzeug gereift und hat bei mir Pagebuilder wie Elementor komplett ersetzt, und ich möchte ihn echt nicht mehr missen.
Falls Sie den Editor also irgendwann mal ausprobiert haben und ihn doof fanden – geben Sie ihm mal eine zweite Chance. Er ist viel besser als sein Ruf …
Phase 2: der Website-Editor zur Anpassung von Block-Themes
Der Inhaltsbereich von Beiträgen und Seiten besteht also seit WordPress 5.0 aus Blöcken, aber für die Anpassung von Bereichen wie Header, Footer und Menüs oder von automatisch generierten Seiten war man nach wie vor die auf die vom Theme vorgegebenen Optionen im Customizer angewiesen.
Für jede nicht vorhandene Customizer-Option musste man entweder ein Plugin finden oder ein Child-Theme erstellen und dann den Code der Theme-Dateien anpassen. Aufgrund dieser Beschränkungen fühlten sich normale WordPress-Nutzerinnen und -Nutzer manchmal »gefangen im Theme«, denn eigentlich gab es immer irgendeine Option, die vom Theme nicht angeboten wurde.
Das Ziel von Gutenberg Phase 2 war es, diese Beschränkungen aufzuheben und die Anpassung der gesamten Website ohne Programmierung möglich zu machen. Das wird Full Site Editing genannt. Voraussetzung dafür ist die Aktivierung eines Block-Themes, das Werkzeug zur Umsetzung ist der Website-Editor.

Der Website-Editor ist seit ungefähr WordPress 6.3 ein nützliches Werkzeug, das für Nicht-Programmierer wie mich völlig neue Möglichkeiten bei der Anpassung von Themes ermöglicht.
Man muss kein WordPress-Guru sein, um damit vernünftig arbeiten zu können, aber man sollte unter anderem mit den folgenden Techniken vertraut sein:
- Verschachtelte Blöcke. Ein sicherer Umgang mit verschachtelten Block-Strukturen in der Listenansicht ist für die Anpassung von Templates sehr wichtig.
- Theme-Blöcke. Die Blöcke aus dem Bereich Theme wie Website-Titel oder Navigation werden auf Seiten und Beiträgen nur selten genutzt, spielen im Website-Editor bei der Anpassung von Templates aber eine wichtige Rolle.
- Templates. Ein zumindest grundlegendes Verständnis des Template-Systems von WordPress ist wichtig, denn im Website-Editor können Sie Templates und Template-Teile wie Header und Footer anpassen.
Für Poweruser ist das alles kein Thema, aber Einsteiger finden das manchmal etwas unübersichtlich. Der Website-Editor wird aber von Version zu Version benutzerfreundlicher und langsam aber sicher auch für Einsteiger gut nutzbar.
Phase 3: Zusammenarbeit und Redesign
In WordPress 6.9 ging es los mit Gutenberg Phase 3, die offiziell Collaboration (dt. Zusammenarbeit) heißt. Darin geht es um Features zur Zusammenarbeit mehrerer Autoren und verbesserte Workflows, aber auch um eine Überarbeitung von Backend und Mediathek.
Gutenberg-Chefarchitekt Matias Ventura hat im Juli 2023 dazu einige Beiträge veröffentlicht:
- Real Time Collaboration über die Online-Zusammenarbeit in Echtzeit.
- Workflows skizziert mögliche Abläufe bei der Zusammenarbeit.
- Revisions sind eine wichtige Voraussetzung für die Workflows.
- Media Library beschreibt ein Redesign der Mediathek.
- Block Library ermöglicht die Verwaltung von Blöcken im Backend.
- Admin Design geht über ein Resign des Backends.
Das ist eine Menge Arbeit, und man kann gespannt sein, wie das alles laufen wird. Den Anfang machten Anmerkungen und visuelle Revisionen:


Der Code von Gutenberg: auf Github und als Plugin
Technisch gesehen besteht das Projekt Gutenberg aus einem Github-Projekt zur Entwicklung neuer Features und einem Plugin zum Testen des Codes, bevor er in den WordPress-Core kommt.
1. Den Code entwickeln: Gutenberg auf Github
Github.com ist eine Plattform, auf der Programmierer gemeinsam an einem Projekt arbeiten können, und auch die Entwicklung von Gutenberg findet in einem solchen Github-Projekt statt:
Hier wird Gutenberg programmiert. In aller Öffentlichkeit. Jeder kann Probleme (Issues) melden, sich an deren Beseitigung beteiligen und sehen, wohin die Reise geht.

2. Den Code testen: Gutenberg als Plugin in WP
Die Ergebnisse der Entwicklungsarbeit auf Github werden alle zwei Wochen in einem Plugin mit dem passenden Namen Gutenberg veröffentlicht:
In jeder neuen WordPress-Version wird die zu dem Zeitpunkt stabile Version des Gutenberg-Plugins integriert.
Wer also vorab schon mal einen Blick auf kommende Features werfen möchte, kann das Plugin in seinem WordPress installieren. Er bekommt damit einen guten Ausblick auf das, was in der nächsten WordPress-Version kommen wird. Nach der Aktivierung des Gutenberg-Plugins erscheint im Backend unten links in der Menüleiste tatsächlich zum ersten Mal das Wort Gutenberg:

Fazit: Gutenberg – die Richtung stimmt
Das Projekt Gutenberg erneuert WordPress von Grund auf, und es besteht aus vier Phasen:
- Blöcke im Inhaltsbereich (mit dem Editor für Inhalte)
- Blöcke zur Anpassung der gesamten Website (mit dem Website-Editor und Block-Themes)
- Zusammenarbeit und Admin-Redesign
- Mehrsprachige Websites
Mitte 2026 stehen wir am Anfang von Phase 3. Die Richtung stimmt, es sind gute Leute am Werk, und ich möchte echt nicht mehr mit dem klassischen Editor Inhalte erstellen oder ein Theme mit dem Customizer anpassen müssen.
Matt Mullenweg hat mal gesagt, »One of the hardest things to do in technology is disrupt yourself« (Quelle), und das stimmt. Pleiten, Pech und Pannen von Gutenberg können Sie im folgenden Beitrag ausführlich nachlesen:
Aber trotz aller Widerstände und Verzögerungen – Gutenberg ist eine gute Sache.
Die 10 beliebtesten Beiträge auf dieser Website
In den letzten 30 Tagen wurden diese Beiträge am häufigsten abgerufen:
- WordPress auf Ihrem Rechner mit »Local«
- Neues in WordPress 7.1
- Supercool: Mehrspaltige Layouts per Raster-Block
- Akkordeons im Block-Editor
- KI innerhalb von WordPress nutzen
- The Making of FeickeCartoons.de
- WordPress lernen mit my.WordPress.net
- Das Design-Werkzeug »Farbe« gibt es nicht mehr
- Lightboxen für alle Fälle
- Block-Themes: Mobiles Menü gestalten
